Transparente Masken für Aphasiker

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise wird empfohlen, in Kontexten, in denen ein Risiko besteht, durch eine Tröpfchenübertragung beim Sprechen, Niesen oder Husten infiziert zu werden, einen Mund-Nase-Schutz (MNS) zu tragen. Ein solcher Mund-Nase-Schutz hat jedoch den Nachteil, dass er den Mundbereich optisch verdeckt. Das gilt sowohl für professionelle Schutzmasken (sog. FFP-Masken) als auch für einfache MNS-Masken oder selbstgenähte sog. Community-Masken.

Das optische Verdecken des Mundbereichs schließt nicht nur die Kommunikation von gehörlosen Personen mit Gebärdensprache aus, die auch auf Gesten des Mundes basiert, sondern erschwert auch die mündliche Kommunikation von graduell schwerhörigen Personen, die auf ergänzende Informationen durch Lippenlesen angewiesen sind. Viele ältere Personen sind graduell schwerhörig, auch wenn sie mit einem Hörgerät versorgt sind. Masken, die den Mundbereich abdecken, können jedoch auch bei Menschen ohne Handicap zu Einschränkungen der mündlichen Kommunikation führen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Umgebungsgeräusche das auditive Verstehen gesprochener Sprache erschweren. Auch fremdsprachliche Personen oder Kinder während des Spracherwerbs sind auf visuelle Informationen durch das Mundbild angewiesen. Außerdem verhindert eine intransparente Mund-Nase-Maske, dass die mündliche Kommunikation durch Informationen ergänzt wird, die Kommunikationspartner mit der Gesichtsmimik verbinden. Das Ausblenden von solchen ergänzenden kommunikativen Informationen kann das auditive Sprachverständnis zusätzlich beeinträchtigen.

 

Während sprachgesunde Kommunikationspartner häufig dazu in der Lage sind, die kommunikativen Einschränkungen zu kompensieren, die mit Mund-Nase-Masken verbunden sind, stellen diese für Aphasiepatient*innen ein Problem dar. Aphasiker*innen sind in der mündlichen Kommunikation wegen Einschränkungen der auditiven Sprachwahrnehmung häufig auf ergänzende Informationen durch das Mundbild oder gestische Informationen der Gesichtsmimik angewiesen. Aus diesem Grund stellen intransparente Mund-Nase-Masken eine zusätzliche Hürde für eine Teilhabe von Aphasiker*innen an der Alltagskommunikation dar.

 

Vor diesem Hintergrund sind Mund-Nase-Masken auch im Rahmen von Aphasietherapie ein Problem. Sie machen nicht nur eine spezifische Therapie von Störungen der auditiven Sprachwahrnehmung unmöglich, sondern erschweren die Aphasietherapie ganz generell, weil diese die auditive Sprachwahrnehmung auch dann einschließen sollte, wenn der Therapieschwerpunkt in einer nicht-auditiven Modalität liegt. Dass solche Masken auch inkompatibel sind mit der Behandlung von sprechmotorischen Störungen, d.h. Dysarthrien oder Sprechapraxien, versteht sich von selbst.

 

Es ist evident, dass die Lösung für diese Probleme darin bestehen kann, transparente Gesichtsmasken zu verwenden. Transparente Masken würden Aphasiker*innen nicht nur einen Zugang zu mündlicher Kommunikation im Rahmen ihrer Möglichkeiten geben, sondern könnten auch im Kontext einer Behandlung aphasischer oder sprechmotorischer Störungen eingesetzt werden.

 


GESICHTSVISIERE

Gesichtsvisiere ermöglichen im Unterschied zu herkömmlichen Mund-Nase-Masken einen Blick auf den Mundbereich beim Sprechen. Sie sind jedoch keine gleichwertige Alternative, weil sie nicht den gleichen Schutz-Effekt haben. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät von Visieren ab, weil erregerhaltige Aerosolen bei diesen Masken ungehindert durch den Spalt zwischen Gesicht und Visier in die Raumluft gelangen.


COMMUNITY-MASKEN MIT SICHTFENSTER

Im Internet finden sich einige Initiativen, die sich um die Entwicklung von transparenten Community-Masken bemühen. Dabei handelt es sich um Stoffmasken mit einer eingenähten transparenten Plastikfolie, die einen Blick auf den Mundbereich ermöglicht. Unter der Voraussetzung, dass das Plastikfenster gut mit dem Stoff der Maske vernäht ist, bieten solche transparenten Community-Masken den gleichen Schutz vor einer Tröpfcheninfektion wie intransparente Community-Masken.

 

 

DIE TRANSPARENTE MASKE DER FIRMA CLEARMASK

Eine professionelle transparente Maske wurde 2019 von dem amerikanischen Start-up CLEARMASK (www.theclearmask.com) entwickelt. Als Einsatzbereich für die "ClearMask" wird nicht nur der Arzt-Patient-Kontakt bei Gehörlosen und Schwerhörigen genannt, sondern auch die Kommunikation mit geriatrischen Patienten oder Kindern.

 

Die ClearMask besteht aus einem transparenten Plastikschild, das im Bereich von Kinn und Nase mit einem Schaumstoffband hinterlegt ist, das anliegt und das Schild unten und oben abdichtet. Die Maske wird mit Bändern hinter dem Kopf oder hinter den Ohren fixiert. An den Seiten ist die Maske offen.

© ClearMask www.theclearmask.com
Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung von ClearMask.

Die ClearMask kann die Übertragung von infektiösen Aerosolen beim Sprechen oder Husten verhindern, schließt aber im Unterschied zu sog. FFP-Masken nicht aus, dass es zu einer Infektion des Trägers kommen kann. Sie ist insofern vergleichbar mit MNS-Masken oder Community-Masken.

 

Die ClearMask kann über die Website der Firma CLEARMASK zum Preis von $ 60 für eine Box mit 24 Masken bezogen werden. Wegen des aktuell erhöhten Bedarfs war die ClearMask jedoch zuletzt nur vorbestellbar.

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