Julia Büttner

MAKRO

Sceening zur Verarbeitung der Makrostruktur von Texten

bei neurologischen Patienten

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Zusätzlich zu Aphasien und sprechmotorischen Störungsbildern können bei neurologischen Erkrankungen auch Sprach- und Kommunikationsstörungen auftreten, die sich erst auf „höherer“ sprachlicher Ebene wie beim Verstehen oder Produzieren von Texten zeigen. Für die Diagnostik dieser Symptome auf makrostruktureller Ebene wurde das Screeningverfahren MAKRO entwickelt. MAKRO kann zur Diagnostik bei kognitiven Kommunikationsstörungen, aber auch ergänzend zur sprachstrukturellen Diagnostik von primär aphasischen Sprachstörungen eingesetzt werden. MAKRO ist damit das erste psychometrisch untersuchte Screeningverfahren im deutschsprachigen Raum, das zur Diagnostik der Textverarbeitung eingesetzt werden kann und zugleich auch Implikationen für die Therapieplanung bietet.

 

Störungen der Textverarbeitung und Exekutivstörungen

Gerade Störungen auf makrostruktureller Ebene stehen häufig in Beziehung zu kognitiven Dysfunktionen (z.B. Exekutivstörungen) und zeigen sich als Defizite im Textverständnis oder als Schwierigkeiten in der Planung und Strukturierung von Bedeutungsinhalten in der Textproduktion. Eine besondere Schwierigkeit für Menschen mit Exekutivstörungen (z.B. nach SHT oder frontalen Läsionen) ist dabei das Erschließen der relevanten Textinformation, aber auch das Verarbeiten von impliziten Inhalten. In Aufgaben zum Textverständnis können diese Patienten nicht die wesentlichen Sinneinheiten (obligatorische Propositionen) in einem Text erkennen und so den Sinngehalt des Textes erkennen. Zusätzliche Schwierigkeiten treten auf, wenn für das Erschließen der Textbasis das Generieren von semantischen Inferenzen (Schlussfolgerungen) notwendig ist. In der Textproduktion bestehen Beeinträchtigungen darin, dass Propositionen nicht nach kausalen-temporalen Aspekten angeordnet werden können und somit keine kohärente Makrostruktur konstruiert werden kann. Diese Schwierigkeiten in der Sprachplanung sind auch abhängig davon, ob während der Textproduktion Inferenzen gebildet werden können, z.B. zur Kausalität und Abfolge von Ereignissen im Text oder auch zu den Intentionen und Perspektiven von Handlungsträgern in einem narrativen Text.

 

Aufbau von MAKRO

Die Testkonstruktion von MAKRO baut auf psycholinguistischen Texttheorien (z.B. nach van Dijk & Kintsch) auf, die von unterschiedlichen Verarbeitungsschritten in Verstehen und Produzieren von Texten ausgehen. Das Diagnostikmaterial wurde daher danach differenziert, welche makrostrukturellen Teilfunktionen in den jeweiligen Untertests des Verfahrens schwerpunktmäßig gefordert sind.

 

MAKRO besteht aus vier Untertests: Textrezeption, Textproduktion, Inferenzen und prozedurale Sequenzen. In diesen vier Testbereichen werden die Teilprozesse Selektieren, Sequenzieren und Inferieren von Propositionen in unterschiedlicher Gewichtung geprüft. Die Fähigkeit des Konstruierens, die auf den anderen Prozessen aufbaut, wird in dem Untertest Textproduktion gefordert. Hier soll zu unterschiedlich komplexen Bildergeschichten jeweils ein narrativer Text produziert werden.

 

Der Untertest Textrezeption besteht aus einem narrativen Text, zu dem 10 Single-Choice-Fragen gestellt werden Diese beziehen sich auf das Selektieren und Inferieren von propositionaler Information beim Textverstehen. Im Untertest Inferenzen wird bei 10 Kurztexten die Fähigkeit geprüft, kausale Inferenzen (Brückeninferenzen) zu generieren. Bei den prozeduralen Sequenzen wird vorrangig die Fähigkeit der Sequenzbildung von Alltagshandlungen geprüft.

 

Anregungen für eine spezifische und individuelle Therapie

MAKRO testet makrostrukturelle Fähigkeiten für verschiedene Textsorten (narrative, prozedurale Texte) in unterschiedlichen Modalitäten und zielt darauf ab, eine möglichst differenzierte Einordnung im individuellen Störungsprofil zu erreichen. Mit diesem methodischen Vorgehen ist es daher möglich, selektive Störungen von Textverarbeitungsprozessen zu sichtbar zu machen und gezielt therapieren zu können.

 

Durch Normwerte zur Bearbeitungsdauer können auch zusätzlich zu den Testwerten auch Auffälligkeiten in der Verarbeitungsgeschwindigkeit erkannt werden. Ebenso lassen sich in einem gewissen Umfang auch modalitätsspezifische Abweichungen (Bild vs. Text, Rezeption vs. Produktion) empirisch prüfen. MAKRO enthält zusätzlich eine parallelisierte Version. Damit lassen sich mit MAKRO auch Therapiefortschritte evaluieren, ganz im Sinne eine evidenzbasierten Sprachtherapie.

 

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